Der GRAMMER European Spine Journal Award

urkundeUm zukünftig Rückenschmerzen und Wirbelsäulenerkrankungen besser zu verstehen, verhindern oder behandeln zu können, ist die Grundlagenforschung auf unterschiedlichen Gebieten rund um die Wirbelsäule Voraussetzung. Um diese Forschung zu unterstützen, vergibt die Grammer AG zusammen mit dem European Spine Journal seit dem Jahr 2000 jährlich den European Spine Journal Award. Es handelt sich dabei um den weltweit höchst dotierten Preis (20.000 Euro) für die Wirbelsäulenforschung.
Ziel dieses Preises ist es, herausragende Forschungsarbeiten rund um die Wirbelsäule zu würdigen. Die Firmen Grammer und Sato Office und das European Spine Journal möchten mit diesem Preis Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Bereichen auszeichnen und damit motivieren sich mit diesen Fragestellungen zu beschäftigen. Grundlagenforschung zur Zellbiologie, Mikrobiologie, Biochemie, Biomaterialien, Biomechanik, Ergonomie, Rehabilitation, Psychologie, Epidemiologie etc. ist der Grundstein für zukünftige Strategien. Häufig arbeiten die Forscher in diesen Grundlagendisziplinen mit beschränkten Forschungsmitteln. Der Lohn speziell für junge Wissenschaftler ist häufig gering. Dieser Preis möchte deren Enthusiasmus und Idealismus belohnen.
Dadurch entsteht ein enger Kontakt zwischen der Firma Grammer und den weltweit führenden Wirbelsäulenforschern. Der wissenschaftliche Austausch zwischen diesen Experten und der Entwicklungsabteilung der Fa. Grammer steigert die Kompetenz, die sofort in Produkte einfließen kann.

Wie kann man diesen Preis erhalten?

Die Prozedur der Preisvergabe unterscheidet sich von anderen Preisen. Man kann sich für diesen Preis nicht mit einer bestimmten Forschungsarbeit bewerben, sondern ein interdisziplinäres Komitee, das sich aus Herausgebern und Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats des European Spine Journal mit internationalem Ruf zusammensetzt, wählt jährlich den besten Beitrag aus, der im vorausgegangenen Jahr im European Spine Journal publiziert wurde. Die Preisverleihung findet während der Jahrestagung der Spine Society of Europe statt.

Aktuelle Jury


An dieser Stelle wollen wir uns bei diesem Kommittee für die Mühe bedanken, da es nicht einfach ist diese Auswahl zu treffen.

Bisherige Preisträger

11. Grammer Award 2010 Wien

Eur Spine J (2009) 18: 1587-1594
Bandscheibenzellverbände in pathologischen menschlichen Bandscheiben gehen mit einer erhöhten Stressproteinimmunfärbung einher.

Sharp CA, Roberts S, Evans H, Brown SJ

Bandscheibenzellen im Annulus Fibrosus und im Nukleus Pulposus haben eine ausgeprägte funktionelle extrazelluläre Matrix und leben in einer potentiell schädlichen und stressbehafteten Umgebung. Es ist aktuell noch unklar, wie Bandscheibenzellen auf Stress reagieren und inwiefern Stress für das Auslösen von Degeneration verantwortlich ist. Degenerierte Bandscheibenzellen zeichnen sich durch Zellproliferation und die Formation von Zellverbänden aus. Diese Vorgänge repräsentieren möglicherweise Zellmatrixreparaturversuche. Aus anderen Geweben weiss man, dass die Stressproteinanzahl direkt nach einem Stressimpuls ansteigt um die Zellfunktionen zu schützen. Trotz dieses Wissens und obwohl man zudem weiss, dass diese Prozesse bei der Degeneration von Gelenkknorpel eine Rolle spielen, hat man dies bisher bei degenerativen Bandscheibenerkrankungen wenig beachtet.

Darum wurde innerhalb dieser Arbeit die Verteilung der Stressproteine in pathologischen Bandscheiben im Vergleich zu Kontrollgewebe untersucht. Dies geschah mittels Immunfärbung. Dazu wurden 43 Patienten mit degenerativer Bandscheibenerkrankung und Bandscheibenvorfall in die Studie eingeschlossen. Während der Operation wurde zu Untersuchungszwecken etwas Bandscheibengewebe entnommen. Als Kontrollgewebe fungierten 12 Proben, die postmortal entfernt wurden. Das Gewebe wurde mit einem poliklonalen Antikörper für den Hitzeschockfaktor 1 (HSF-1) und mit einem monoklonalen Antikörper für die Hitzeschockproteine 27 (Hsp27) und 72 (Hsp72) mittels der indirekten Immunperoxidasemethode gefärbt. Positiv gefärbte Zellen wurden prozentual zur Gesamtzellzahl dargestellt. Zusätzlich wurde die Formation von Zellverbänden erfasst.

Der prozentuale Anteil von Zellen in Zellverbänden war im Annulus Fibrosus (jeweils 2%) und im Nukleus Pulposus (8 und 9%) von Kontrollgewebe und degeneriertem Bandscheibengewebe nahezu gleich. In Gewebe von Patienten mit einem Bandscheibenvorfall war die Anzahl von Zellen, die sich in Zellverbänden befanden, erhöht (Annulus Fibrosus 12%, Nucleus Pulposus 14%). Die Stressantigenfärbung trat in Zellverbänden tendenziell häufiger auf, als in Einzel- oder Doubletzellen, in Bandscheibenvorfallgewebe war dieses Ereignis sowohl im Annulus Fibrosus, als auch im Nucleus Pulposus signifikant (P < 0,005).

Bei Bandscheibenvorfällen findet man gehäuft Zellverbände im Gewebe. Bei der Degeneration von Bandscheiben verändern sich die Umgebungsbedingungen. Die Anhäufung von Zellverbänden könnte eine Schutzreaktion aufgrund abnormaler Umweltfaktoren darstellen. Ein besseres Verständnis der Stressantwort in Bandscheibenzellen könnte dazu genutzt werden, die Erkenntnisse in zukünftige Zelltherapien einzubringen.

10. Grammer Award 2009 Warschau

Eur Spine J (2008) 17: 289-299
Ein Trauma der Wirbelkörperendplatte induziert die Apoptose der Bandscheibenzellen und fördert die Degeneration des Organs in einem in vitro Versuch.

Haschtmann D, Stoyanov JV, Gédet P, Ferguson SJ

Es bestehen noch immer große Unklarheiten darüber, ob ein Trauma der Wirbelsäule, verbunden mit einer Endplattenfraktur, in einer post-traumatischen Bandscheibendegeneration resultiert. Die, an einem gebrochenen Wirbelkörper anhaftende Bandscheibe wird häufig entfernt. Danach erfolgt eine interkorporale Sponylodese (Fusion der Wirbelkörper). Die biologischen Effekte innerhalb der Bandscheiben, die durch eine Endplattenfraktur ausgelöst werden, wurden bis dato noch nicht vollständig aufgeklärt. Ein Ziel der vorliegenden Studie lag darum darin, ein Organkulturmodell zu etablieren, welches ein Bandscheiben/Endplatten-Trauma simuliert. Damit sollen reproduzierbare Endplattenfrakturen dargestellt werden. Die dadurch auftretenden Bandscheibenveränderungen können in vitro erfasst und untersucht werden.
Das Modell dieser Studie basiert auf einem Bandscheiben/Endplatten Organkultursystem, welches von den Autoren bereits in früheren Studien validiert wurde. Dazu wurden intervertebrale Bandscheiben/Endplatten-Proben von Burgundy Hasen isoliert und in einem Standardmedium (DMEM/F12, 10%FCS) kultiviert. Mittels einer spezialgefertigten Apparatur wurde bei der Hälfte der Proben eine Endplattenfraktur induziert. Anschließend wurden die Proben für 9 weitere Tage kultiviert. Folgende biologische Effekte wurden analysiert: nekrotischer und apoptotischer Zelltod, die Expression von pro-apoptotischen Genen und die Expression von Genen, die in Organdegenerationsprozessen (z.B. Matrixmetalloproteinasen = MMPs) involviert sind. Das Ausmaß der Zellzerstörung wurde anhand der Quantifizierung der Laktatdehydrogenaseaktivität (LDH-Aktivität) im Überstand ermittelt. Die Genexpression von Caspase-3 (involviert in den Apoptoseweg der Zelle) und die Expression der pro-apoptotischen Proteine FasL und TNF-alpha wurden ebenso betrachtet.
Die Ergebnisse zeigten posttraumatisch, im Vergleich zu den Kontrollen, ein signifikant höheres LDH-Level. Dieser Anstieg blieb über 3 Tage erhalten. Des Weiteren konnte eine konstante Hochregulation des Caspase-3 Gens in beiden Bandscheibenkompartimenten (Nukleus und Anulus) festgestellt werden. Die pro-apoptotischen Proteine FasL und TNF-alpha fand man vor allem im Nukleus hochreguliert. Die MMP-1 und -13 Transkripte (Kollagenasen) lagen in beiden Bandscheibenstrukturen (Nukleaus und Anulus) in erhöhter Konzentration vor.
Aufgrund dieser Untersuchung können folgende Schlussfolgerungen gezogen werden: Endplattenfrakturen führen sowohl zu nekrotischem, als auch zu apoptotischem Zelltod im Nukleus- und Anulusgewebe. Weiterhin erfolgt eine erhöhte FasL und TNF-alpha Expression der Nukleuszellen. Die Fas- und TNF-alpha-Rezeptor-tragenden Nukleuszellen induzieren eine kontinuierliche Apoptose. Zusätzlich hat eine Überexpression von TNF-alpha potentiel schädigende Effekte auf den Bandscheibenmetabolismus, wie z.B. die Überexpression von Matrixproteinasen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die kurzfristige biologische Antwort der Bandscheibe auf eine Endplattenfraktur Veränderungen an den Tag legt, die eine Degeneration des Organs auslösen können.

9. Grammer Award 2008 Genf

Eur Spine J (2007) 16: 2206-2214
„Adenovirus vektor-vermittelter ex vivo Gentransfer des Brain-derived Neurotrophic Factor in Bindegewebszellen des Knochenmarks fördert die Regeneration von Axonen nach einer Transplantation in komplett durchtrenntem Rückenmark einer erwachsenen Ratte“

Koda M, Kamada T, Hashimoto M, Murakami M, Shirasawa H, Sakao S, Ino H, Yoshinaga K, Koshizuka S, Moriya H, Yamazaki M

Das Ziel der Studie war die Evaluierung der Wirksamkeit von Adenovirus vektor-vermitteltem ex vivo Gentransfer des Brain-derived Neurotrophic Factor (BDNF) in Bindegewebszellen des Knochenmarks (BMSC = bone marrow stromal cells). Letzterer wurden in komplett durchtrenntes Rückenmark von erwachsenen Ratten transplantiert. BMSC wurden mit Adenovirus Vektoren infiziert, welche entweder das β-Galaktosidase (AxCALacZ) oder das BDNF (AxCABDNF) Gen trugen. Das T8 Segment des Rückenmarks wurde entfernt und jeweils durch ein Transplantat ersetzt, welches entweder Matrigel alleine (MG Gruppe), Matrigel mit AxCALacZ infizierten BMSC (BMSC-LacZ Gruppe) oder Matrigel mit AxCABDNF infizierten BMSC (BMSC-BDNF Gruppe) enthielt. Die Axone im Transplantat wurden mittels Immunhistochemie und der BBB Lokomotorskala zur Erfassung der funktionellen Regeneration untersucht. In der BMSC-BDNF Gruppe wurde im Vergleich zur MG und BMSC-LacZ Gruppe eine größere Anzahl Growth Associated Protein-43-, Tyrosin Hydroxylase- und Calcitonin-Gene-related Peptide-positiver Fasern gefunden. Die Ratten der BMSC-BDNF und der BMSC-LacZ Gruppe zeigten im Vergleich mit den Ratten der MG Gruppe eine signifikant Regeneration der Fuktionen der hinteren Gliedmaßen. Dennoch gab es zwischen den beiden BMSC Gruppen keinen signifikanten Unterschiede im Ausmaß der funktionellen Regeneration. Die Ergebnisse zeigen, dass innerhalb dieses komplett durchtrennten Rückenmarkmodells ein Adenovirus vektor-vermittelter ex vivo Gentransfer von BDNF die Kapazität von BMSC zur Förderung der Axonregeneration erhöht. Dennoch konnte der BDNF die funktionelle Regeneration der hinteren Gleidmaßen nicht fördern. Es sind weitere Untersuchungen notwendig, um für Patienten mit Rückenmarksverletzungen eine optimale Kombination aus Zelltherapie und Neurotrophin Gentransfer zu etablieren.

8. Grammer Award 2007 Brüssel

Eur Spine J (2006) 15: 1144–1149
„Vergleichende Rasterstereographische Untersuchung der axialen Rotation der Rückenoberfläche im Stand versus in Vorneige bei idiopathischen Skoliosen“

Hackenberg L, Hierholzer E, Bullmann V, Liljenqvist U, Götze C

Der Vorneigetest nach Adams und die Quantifizierung des Rippenbuckels oder Lendenwulstes stellen weit verbreitete klinische Untersuchungstechniken bei einer idiopathischen Skoliose dar. Dennoch können bis heute keine präzisen Angaben über die Veränderung der axialen Oberflächenrotation bei Skoliosen in Vorneige gemacht werden.
In einer Pilotstudie wurde zunächst der Einfluss künstlich erzeugter Beinlängendifferenzen auf die Rückenform bei 5 gesunden Patienten erfasst. Anschließend wurden 91 Patienten mit idiopathischer Skoliose mit Cobb-Winkeln zwischen 20° und 82° mittels Rasterstereographie stehend und in Vorneige untersucht. Die Rasterstereographie ist ein 3D-Analysesystem der Rückenoberfläche. Die axiale Rückenoberflächenrotation im Stand wurde mit der in Vorneige verglichen, sowie mit einer Skoliometermessung in Vorneige. Die Veränderungen der Rückenform beim Vorneigen wurden darüber hinaus mit den Cobb-Winkeln, der Lokalisation des Skoliosescheitels der Primärkrümmung und dem Alter der Patienten korreliert.
Die Amplitude der Rotation der Rückenoberfläche (Differenz zwischen Links- und Rechtsrotation) lag im Stand bei 23.1° und stieg bei vorgebeugter Haltung auf 26.3° an. Die Standardabweichung dieser Differenz war hoch (6.1°). Die Korrelation von der Amplitude der Rotation der Rückenfläche im Stand und der in Vorneige war gering (R2 = 0.41). Ebenso verhielt es sich mit der Korrelation der Rotation der Rückenoberfläche im Stand mit der Skoliometermessung (R2 = 0.35). Es konnte keine signifikante Korrelation zwischen der Veränderung der Rückenform beim Vorneige und dem Verformungsgrad der Skoliose (Cobb-Winkel) gefunden werden (R2 = 0.07). Ebenso korrelierten sowohl die Lokalisation des Skoliosescheitels der Primärkurve (R2 = 0.005) und das Alters der Patienten (R2 = 0.001) nicht mit der Veränderung der Rückenform in Vorneige.
Die Beinlängendifferenz muss vor dem Vorneigetest sorgfältig ausgeglichen werden. Die Rotation der Rückenoberfläche wird in Vorneige im Vergleich zur Standposition verändert. Allerdings variiert das Ausmaß dieser Veränderungen zwischen den Patienten deutlich und ist unabhängig vom Typ und Ausmaß der Skoliose. Desweiteren wurden deutliche Unterschiede zwischen Skoliometermessungen des Rippenbuckels und den rasterstereographischen Messungen der Wirbelrotation im Stehen gefunden. Darum kann der Vorneigetest und die Skoliometermesseung zur Identifikation einer idiopathischen nur bedingt empfohlen werden. Genauer und zuverlässiger ist eine rasterstereographische Oberflächenmessung im Stehen.

7. Grammer Award 2006 Istanbul

Eur Spine J (2006) 15: 764–773
„Untersuchungen zur Bildanalyse von Kernspin-Aufnahmen um den funktionellen Querschnitt von Rückenmuskeln zu bestimmen“

Craig A. Ranson, Angus F. Burnett, Robert Kerslake, Mark E. Batt, Peter B. O’Sullivan

Ziel dieser Studie war es den Gebrauch der Kernspin-Tomographie mit Hilfe einer Bildverarbeitungssoftware zu untersuchen, um den funktionellen Querschnitt (die Fläche des Muskels, die vom Fettgewebe isoliert wurde) zu bestimmen. Die Vermessung der Geometrie der Rückenmuskulatur ist Gegenstand von verschiedenen Forschungsarbeiten als Grundlage für das Verständnis von Rückenschmerzen. Die Zuverlässigkeit und Wertigkeit die mit dieser Methode erreicht werden kann wurde bisher nicht untersucht. Die fettfreie Rückenmuskulatur, der Wirbelkörper und der Fettanteil innerhalb des Muskels wurden mit Hilfe einer Bildverarbeitungssoftware manuell segmentiert und den verschiedenen Gewebearten bestimmte Grauwertbereiche wurde zugeordnet. Die resultierende Grauwertbereiche wurden benutzt, um die Querschnittsflächen der Rückenmuskeln, dem Psoas, Quadratus Lumborum, Erector Spinae und Multifidus in jedem Schnittbild zu bestimmen.
Da verschiedene biologische, gerätetechnische und messtechnische Faktoren die Signalintensität des Kernspin-Tomographen beeinflussen können, wurde eine Sensitivitätsstudie durchgeführt, um den Fehler dieser Methode zu bestimmen. Jede Messung wurde dreimal wiederholt und es wurde eine exzellente Reliabilität gefunden.
Zusätzlich wurde der Fehler aufgrund von Rechenungenauigkeiten von weniger als 20 Grauwertsufen ermittelt. Die hier entwickelte Methode hat eine Reihe praktischer Anwendungen, um verschiedenen Rehabilitationsmethoden zu überprüfen oder um biomechanische Modelle zu entwickeln.

6. Grammer Award 2005 Barcelona

Eur Spine J (2004) 13 : 695-701
"Einfluss von Nährstoff-Mangel auf die Lebensfähigkeit von Bandscheibenzellen“

By S.R.S. Bibby, J.P.G. Urban

Es wird vermutet, dass eine unzureichende Nährstoffversorgung zu den Risikofaktoren gehört, die zu degenerativen Veränderungen in der Bandscheibe führen können.
In dieser Arbeit wurde unter Laborbedingungen erstmal untersucht, wie sich Nährstoffmangel auf die Lebensfähigkeit und Aktivität von Bandscheibenzellen auswirkt.
In Zellkulturversuchen wurden dabei kritische Umgebungsfaktoren der Bandscheibenmatrix
wie der Glucose- und Sauerstoffgehalt sowie der pH-Wert verändert. Es wurde untersucht, wie sich die Variation dieser Faktoren bis hin zur Mangelversorgung auf die Zellaktivität auswirken.
Es konnte gezeigt werden, dass sich der Glucose-Mangel kritischer auswirkt als eine verringerte Sauerstoffversorgung. Für die Lebensfähigkeit der Bandscheibenzellen ist es jedoch entscheidend, dass eine günstige Kombination dieser Umgebungsfaktoren im Gewebe vorherrscht, da all diese Faktoren von einander abhängig sind.

5. Grammer Award 2004 Porto

Eur Spine J. 2004 Mar;13(2):157-63. Epub 2003 Nov 14.
„Hemmung der Wirbelsäulenfusion durch den Gebrauch von Gewebeeinwachshemmern “

Xuenong Zou, Haisheng Li, Niels Egund, Martin Lind, Cody Bunger


Orthopaedic Research Laboratory, Orthopaedic Department E, Aarhus University Hospital, Norrebrogade 44, 8000, Aarhus C, Denmark. zxnong@hotmail.com

Unerwünschtes Einwachsen von Knochen in den Wirbelsäulenkanal ist ein verbreitetes Problem in der modernen Wirbelsäulenchirurgie, z.B. bei Skoliose-Korrekturen bei Kindern oder beim Bandscheibenersatz bei Erwachsenen oder Wirbelkanalverengung bei älteren Menschen. Ziel dieses Preis-Papers war es zu untesuchen ob der Gebrauch eines Gewebeeinwachshemmers ein solch unerwünschtes Knochenwachtum verhindern kann. Die Autoren entwickelten ein Verfahren mit dem sie erstmals zeigen konnten, dass eine solche Einwachsbarriere, ein Gel das nach einiger Zeit selbständig vom Körper abgebaut wird, in der Lage ist eine solche unerwünschte Knochenbildung zu verhindern und dadurch komplexe Wirbelsäulenoperationsverfahren verbessert werden können.

4. Grammer Award 2003 Prag Gewinner 1 von 2 (gleichwertig)

Eur Spine J. 2003;12:66-75.
„Il-I-ß- Induktion von MMP-2 und-3 in Schafs-Nukleus-Pulposus-Zellen in einer dreidimensionalen Agarose-Gel Kultur“

Shen B, Melrose J, Ghosh P, Taylor F.


The Institute of Bone and Joint Research, The University of Sydney (Department of Surgery) at the Royal North Shore Hospital, St Leonards, New South Wales, Australia.

• Die Bandscheibendegeneration ist eine der häufigsten Erkrankungen des Bewegungsapparates. 80 % der Normalbevölkerung hat mindestens ab und zu Rückenprobleme, die schwer zu behandeln sind.
• Rückenschmerzen, die von einer Bandscheibendegeneration herrühren, haben eine große sozio-ökonomische Bedeutung. Die Kosten belaufen sich in Australien auf 349 Mio Euro (1993-1994 ), in Finnland auf 220 Mio Euro (1995) und in den USA auf 22,1 Milliarden Euro (1990), was 0,8 – 2,1 % des Bruttosozialproduktes ausmacht.
• So wie mit allen Bindegeweben macht die Bandscheibe einen konstanten Gewebeauf- und -abbau durch. Unter normalen Bedingungen sind diese Prozesse im Gleichgewicht. Unter krankhaft veränderten Bedingungen kann der Abbau den Aufbau überwiegen, was zu einem Nettoverlust in den wichtigen Bandscheibenkomponenten führt, was zu einem Verlust in der Belastbarkeit und Dämpfungseigenschaft der Bandscheibe führt. Die Bandscheibe kann dann Zug- und Druckkräfte nicht mehr ausreichend verarbeiten.
• Eine der biologischen Hauptkomponenten, die die Bandscheibendegeneration auslöst, ist das Interleukin-Iß. Ein kleines Protein, das von den Bandscheibenzellen hergestellt wird und die Produktion von anderen wichigen biologischen Proteinen regelt. Diese sogenannten Matrixmetalloproteinasen sind Stoffe, die am Abbau des Bandscheibengewebes beteiligt sind.
• Zukünftige Forschungsarbeiten sollten diese biologischen Komponenten therapeutisch angehen, um ihre Aktivität im Patienten zu kontrollieren.

4. Grammer Award 2003 Prag Gewinner 2 von 2 (gleichwertig)

Eur Spine J. 2003 Feb;12(1):76-83. Epub 2002 Nov 22.
„Intradiskale Applikation von Hyaluronsäure an der Primatenwirbelsäule - Radiologische Ergebnisse “

Pfeiffer M, Boudriot U, Pfeiffer D, Ishaque N, Goetz W, Wilke A.


Klinik fur Orthopadie und Rheumatologie, Philipps-Universitat, Baldingerstrasse, 35033 Marburg, Germany. michael.pfeiffer@med.uni-marburg.de

An 20 erwachsenen Meerkatzen (Green Vervet Monkey) wurden lumbale Bandscheiben experimentell geschädigt und auf folgende Degeneration hin untersucht. Zwei Bandscheiben wurden mit verschiedenen Hyaluronat (HA) Präparaten aufgefüllt, eine Bandscheibe verblieb ohne solche Behandlung nach Schädigung, eine Bandscheibe wurde weder geschädigt noch behandelt und diente als Kontrollsegment.
Nach 24 Wochen waren die Bandscheiben mit einem der zwei getesteten HA-Präparate mit besseren Röntgen-, Kernspin- und makroskopischen Befunden assoziiert, als die ohne nachfolgende HA-Aufüllung geschädigten Bandscheiben. Doch auch in diesen Bandscehiben trat noch deutliche Degeneration auf.
Dies eröffnet Perspektiven für Zusatzbehandlungen nach Bandscheiben-OPs und erhellt Mechanismen der Bandscheiben-De- und Regeneration nach OP und bei chronischem Verschleiß der Lendenwirbelsäule.

3. Grammer Award 2002 Nantes

Eur Spine J. 2001; 10:437-42
„Funktionelle Kernspin-Thomographie der Wirbelsäule: verschiedene Muster der Positionen der nach vorne gebeugten Lendenwirbelsäule bei gesunden Probanden.“

König A, Vitzthum HE.


Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie der Universität Leipzig, Deutschland. koena@server3.medizin.uni-leipzig.de

Seit der Einführung der Technik der vertikal offenen Konfigurationssysteme ist man bestrebt, Kernspintomographieaufnahmen von Lendenwirbelsäulen zu erhalten. Das Ziel dieser Studie war es, die Orientierung der Facettengelenke und das Bewegungsmuster bei Flexion in Beziehung zu bringen. 34 normale Probanden (18 Frauen, 16 Männer) wurden in einem vertikal offenen 0.5-T MR –Scanner mit einer T1 gewichteten Gradient-Echo (GE) Sequenz untersucht. Der Flexionswinkel wurde digital in der Sagittalebene und die Orientierung der Facettengelenke in der Transversalebene gemessen. Die Probanden zeigten drei verschiedene funktionelle Flexionsmuster: bei 17.6% (n=6) der Teilnehmer stellte sich in allen drei Segmenten während der Flexionsbewegung ein Kyphosewinkel ein (Typ 1), bei 50% (n=17) der Teilnehmer ging das L5/S1 Segment in eine Lordose und die L4/L5 und L3/L4 Segmente in eine Kyphose über (Typ 2) und bei 32.4% (n=11) der Teilnehmer stellte sich ein Lordosewinkel in den Segmenten L5/S1 und L4/L5 aber ein Kyphosewinkel im Segment L3/L4 ein (Typ 3). Es gab einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen dem Flexionsmuster der durchschnittlichen Facettengelenkorientierung: für L4/L5 33.3 Grad bei Typ 1, 33.5 Grad bei Type 2 und 46.2 Grad bei Typ 3; für L5/S1 27.2 Grad bei Typ 1, 46.4 Grad bei Type 2 und 48.1 Grad bei Typ 3. Für das Segment L3/L4 gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen. Die drei unterschiedlichen Flexionsmuster in Abhängigkeit ihrer Gelenkstellungen wurden in vorherigen Studien noch nicht beschrieben. Die Kenntnis über dieses Verhaltensmuster führt zu einem besseren Verständnis über Bewegungsabläufe in der Wirbelsäule und dient zukünftig als Basis für Schmerzenbehandlungen in der Lendenwirbelsäule.

2. Grammer Award 2001 Göteborg

Eur Spine J. 2001;10:242-9.
„Erholung von Muskelfunktionsstörungen bei starken Ischiasschmerzen.“

Balague F, Nordin M, Sheikhzadeh A, Echegoyen AC, Skovron ML, Bech H, Chassot D, Helson M.


Kanton-Hospital, Freiburg, Schweiz. balaguef@hopcantfr.ch

Dies ist eine prospektive Studie mit Patientengruppen, die aufgrund von akuten schweren Ischiasschmerzen behandelt worden. Die Ziele dieser Studie sind, erstens, die Wiederherstellung der Muskelleistung durch manuelle und isokinetische Muskeltestverfahren bei Patienten mit schweren akuten Ischiasschmerzen (über einen Zeitraum von einem Jahr) zu untersuchen, und zweitens, die mögliche klinische Relevanz der isokinetischen Tests des Fußgelenks mit akuter, schwerer Ischiagie zu diskutierten. Im klinischen Alltag werden Muskelleistungen anhand von isometrischen manuellen Testverfahren ermittelt. Verschiedene Autoren, die manuelle Muskeltests durchführten, haben von Langzeitstudien über die Muskelfunktion bei Patienten mit Ischiagie berichtet. Im Allgemeinen sind die Ergebnisse in der Wiederherstellung der Muskelleistungsfähigkeit positiv. Jedoch bleibt unklar, ob die Wirksamkeit der isometrischen Methode ausreichend relevant ist, um die komplette Muskelleistung der betroffenen Muskeln bei diesen Patienten wiederherzustellen. Diese Studie präsentiert Daten bezüglich der Muskelerholung bei Patienten mit starker Ischiagie, die mit manuellen Testverfahren und dem isokinetischen Testverfahren gemessen wurden. Diejenigen Patienten, die eine akute und schwere Art der Ischiagie aufwiesen, wurden im Kantons-Krankenhaus aufgenommen, konservativ behandelt und für diese Studie ausgewählt.
Patienten wurden an der Aufnahme, nach der Entlassung und jeweils nach 3, 6 und 12 Monaten untersucht. Alle Besuche beinhalteten eine standardisierte klinische Prüfung und die Ausfüllung des Anamnese-Fragebogens. Bildgebende Verfahren und Elektromyographie-Messungen(EMG) wurden während des ersten Besuchs durchgeführt. Isokinetische Muskelversuche bei 30 Grad/sec und 120 Grad/sec wurden bei der Entlassung und bei den folgenden Besuchen durchgeführt. Manuelle und isokinetische Testverfahren wurden am Beuger- und Streckermuskel des Fuß- und Sprunggelenks durchgeführt. 82 Patienten (66% Männer) mit einem durchschnittlichen Alter von 43 Jahren (+/-10.3) gingen in diese Studie ein. Beim ersten Besuch war die Prävalenz der Hauptmuskelschwäche niedrig, 7% der Patienten waren nicht imstande auf ihren Zehen und 11% nicht auf ihren Fersen zu laufen. Außerdem wurde die motorische Einschränkung nach 4 oder weniger Punkten definiert (Punktskala: 5). Dies war bei 15% der Probanden während der ersten Auswertung der Fall. Ein derartiges Defizit wurde während der letzten drei Besuche nicht mehr diagnostiziert. Die isokinetischen Tests zeigten eine höhere Prävalenz der Muskelfunktionsbeeinträchtigung. Am fünften Besuch zeigte der isokinetische Test eine beeinträchtigte Muskelfunktionserholung von 23% auf 32%, während der manuelle Test fast eine vollständige Wiederherstellung der Muskelfunktion zeigte. Vor- und zwischen beiden Verfahren wurde diskutiert. In dieser ausgewählten homogenen Patientenpopulation war das Bewegungsdefizit sehr gering, jedoch waren die Ergebnisse im direkten Vergleich zur manuellen Prüfung besser. Der isokinetische Test zeigte eine höhere Prävalenz der Muskeleinschränkung und eine viel langsamere Erholungsphase. Das manuelle Muskeltestverfahren ist ein nicht ins Detail ausgereiftes klinisches Testverfahren. Für eine detailliertere Beurteilung der Muskellaktivität ist ein zusätzlicher Versuch notwendig. Dies gilt besonders für die Patienten, mit körperlich belastenden Tätigkeiten.

1. Grammer Award 2000 Antwerpen

Eur Spine J. 2000, 9:23-9
„Frühzeitige histologische Veränderungen in den Bandscheiben und den Gelenkfacetten der Lendenwirbelsäule und deren Korrelation“

Gries NC, Berlemann U, Moore RJ, Vernon-Roberts B.


In dieser histologischen Studie werden Disci und zugehörige Facettengelenke der unteren lumbalen Wirbelsäule (lL/5 und L5/S1) von 15 jungen Patienten mit durchschnittlichem Alter von 29 Jahren (13-38 Jahre) auf Alterungsprocesse und deren Korrelation untersucht.
Bei nachweisbaren histologischen Veränderungen bei allen Disci und Facettengelenken, zeigt sich sowohl keine Korrelation zwischen Schweregrad der Veränderung und Alter, wie auch keine Korrelation zwischen Discus und zugehörigen Facettengelenken. Eine Korrelation zwischen Degenerationsgrad der beiden Etagen untereinander besteht. Erstaunlicher Weise sind trotz des jungen Alters der Patienten bereits erhebliche degenerative Veränderungen zu finden.